Was kann ich mir dafür kaufen?

3. Folge - Kaufkraft ab Mitte des 15. Jahrhunderts

Wieder wollen wir unseren Vorfahren auf die „Lohn- und Kassazettel“ schauen. Ein interessanter Vergleich durch Jahrhunderte wurde im süddeutschen Raum angestellt. Man wählte dafür eine Ware, die in allen Haushalten auf den Tisch kam, nämlich Rindfleisch: Im Jahr 1450 bekam man davon in Bayreuth für einen Gulden 65 Kilo. Über hundert Jahre später, nämlich 1562, waren es nur noch 13,7 Kilo. 1622 erhielt man dafür ganze eineinhalb Kilogramm. Bis 1677 kam es zu einer Erholung: 13 Kilo bekam man nun wieder für einen Gulden. Ab 1792 gingen sich dann nur noch 3 bis 5 Kilo aus.

Ein Jahr, nachdem Richard Wagner den Grundstein für sein Bayreuther Festspielhaus gelegt hatte, musste er bzw. seine Haushälterin für nur 1,4 Kilo einen Gulden hinlegen (Preis 1873). Er konnte sich das sicher – im Gegensatz zum „kleinen Mann“ – leisten. Die „kleinen Leute“ – das war nicht zuletzt das „Gesinde“, das jeden Gulden dreimal umdrehen musste. So verdiente 1506 eine Magd in Nürnberg knapp 4 Gulden im Jahr und 1554 eine Köchin 6 Gulden. Zur gleichen Zeit erhielt ein Hausknecht 4 Gulden. Ganz „arme Teufel“ waren die Tagelöhner, zu denen auch die Steinmetz-Maurergesellen gehörten. Es gab den niedrigeren Winterlohn (wegen der kürzeren Tage) und den etwas höheren Sommerlohn.

Der betrug 1445 nicht mehr als 20 Pfennig*. Ein Steuerschreiber aber kassierte um 1430 ein Gehalt von 84 Gulden, mit Nebenbezügen kam er auf 265 Gulden. Dagegen wirkt das Gehalt eines „Bruch- und Steinschneiders“ (was man heute mit Chirurg bezeichnen würde) im Jahr 1545 in Bern geradezu lächerlich: Es betrug 26,6 Gulden plus Getreidedeputat. Zwischen den Gutverdienern und den Beziehern der geringsten Löhne gab es teilweise Unterschiede von mehreren hundert Gulden. An und für sich ist uns dieser Umstand auch heute nicht fremd. Nur gab es damals weit und breit kaum soziale Einrichtungen oder gar engagierte Gewerkschaften. Aber nicht nur bei den „kleinen Leuten“ sind die Unterschiede zur heutigen Zeit groß. Auch hohe Herrschaften konnten in bestimmten – heute recht lukrativen – öffentlichen Posten keine großen Summen verdienen. Im Gegenteil: In der Kommunalpolitik war im Mittelalter kein Geld zu machen. Der Bürgermeister zum Beispiel war ein reines Ehrenamt. In Schleswig-Holstein blieben die Preise von 1451 bis 1545 relativ stabil. 100 Kilo Roggen kosteten 15 Schilling, eine Kuh hatte den Preis von 41 Schilling.

Für 31 Kilo Lebendgewicht vom Schwein musste man 19 Schilling aufwenden. Für etwa die gleiche Menge vom Schaf nur 8 Schilling. 20 Eier kosteten 5 Schilling. Die Butter aufs Brot erscheint uns bei den heutigen Supermarktpreisen relativ teuer: Für 8 Schilling (den Preis für ein 30-Kilo-Schaf) bekam man nur 470 Gramm. Der Preis für ein Paar Schuhe machte 4,5 Schilling aus, der von eleganten Stiefeln 15 Schilling. Für diesen Betrag wird wohl so manche arme Familie lieber zwei Schafe verzehrt und mit einfachem Schuhwerk vorlieb genommen haben. Ein Priester, der einer Pfarre vorstand, brachte es Mitte des 15. Jahrhunderts im Jahr auf 60 bis 80 Gulden. Das war auch das Budget eines gutbürgerlichen Haushalts. Aber auch 30 Gulden wurden als ausreichend angesehen. Da konnte man nicht nur gut speisen, sondern sich auch ab und zu neue Kleidung leisten. Denn der Näherinnenlohn für Rock, Wams und Hose betrug nur 5 Schilling. Wir setzen die Vergleiche von Löhnen und Preisen der Vergangenheit auch das nächste Mal fort – mit immer kürzerem Abstand zur Gegenwart.


* 1 Pfund = 20 Schilling, 1 Schilling =
12 Pfennig, 1 Pfennig = 2 bis 3 Heller.
Grob gerechnet, entsprach ein Gulden etwas über zwei Pfund.

   
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