In dieser Folge kommen wir auf die Inflation in der Zwischenkriegszeit zurück und wollen uns die Entwicklung und die Inflationsverhältnisse vor allem in Österreich genauer ansehen. Dann werfen wir noch einen Blick auf Preis- und Lohnentwicklung in der Reichsmark-Zeit. Österreich hatte schon während und nach den Napoleonischen Kriegen eine Inflation erlebt, und auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es inflationäre Tendenzen. Ursachen waren in allen Fällen nicht zuletzt Kriegswirtschaft und Kriegskosten sowie damit verbundene massive Produktionseinbußen. Bei der „Superinflation“ zwischen den beiden Weltkriegen kamen noch schlechte Ernten dazu. Die Antwort des Staates: Man ließ die Notenpressen auf Hochtouren laufen. Schon von 1914 bis 1918 war die Geldmenge von 3,4 auf 42,6 Milliarden Kronen angeschwollen. Der Lebenshaltungskostenindex stieg von 100 auf 1.640. Auf dem Höhepunkt der Inflation bis zum Sommer 1922 betrug der Geldumlauf schließlich 193 Milliarden Kronen. Die Lebenshaltungskosten stiegen in schwindelnde Höhe auf das 14.000fache der Vorkriegszeit. Die Preissteigerungen konnte man mit der Uhr verfolgen. Jeder
strebte danach, das Geld, das Stunde um Stunde an Wert verlor, so schnell wie möglich loszuwerden und in bleibende Sachwerte umzuwandeln, auch wenn man die
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Sachen gar nicht brauchte. In Österreich herrschte zwar Vollbeschäftigung, aber die Realeinkommen der Arbeiter fielen weit unter das Vorkriegsniveau und erreichten das Existenzminimum. Ausländer mit ihren Währungen dagegen genossen in Österreich das „Inflationsparadies“. Amerikaner und Westeuropäer machten es sich mit einem minimalen Aufwand an harter Währung in Luxushotels gemütlich. Neureiche und Kriegsgewinnler wuchsen wie die sprichwörtlichen „Schwammerln aus dem Boden“. In einem Brief aus diesen Jahren heißt es: „Die österreichische Krone fällt auf Nimmerwiedersehen.“ Ein paar „saftige“ Preise sollen das verdeutlichen: Während 1918 ein Kilo Brot noch 0,57 Kronen gekostet hatte, verlangte man 1921 immerhin schon 7,14 Kronen. 1922 aber waren dafür 1.349 Kronen zu berappen und 1924 sogar 5.615 Kronen. Der Preis für ein Kilo Fleisch erreichte fünfstellige Zahlen, er stieg von 7,20 (1918) auf 80 (1921), dann sprunghaft weiter auf 5.900 (1922) und schließlich auf 31.600 Kronen (1924). Eine Kilowattstunde
Strom schlug 1918 mit 0,84 Kronen zu Buche und 1924 mit unglaublichen 5.200 Kronen. 1925 – mit der Einführung der Schilling-Währung – war dann der Spuk vorbei: Der Preis für ein Kilo Brot betrug
wieder vernünftige 0,63 Schilling, für Fleisch 3,25 S, und der Strompreis machte 0,52 S pro kWh aus.
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1938 kam der „Anschluss“ ans Deutsche Reich – und damit auch an die Reichsmark. Die Preise blieben nun stabil oder sanken sogar. Denn strikter Preis- und Lohnstopp war von „oben“ angeordnet worden. 1938
kostete ein Kilo Brot 42, 1944 aber nur noch 33 Pfennig, und der Fleisch-Kilopreis lag von 1938 bis 1944 stabil bei 2 Reichsmark. Allerdings teilte die Reichsbank schon 1939 dem „Führer“ in einem Geheimpapier mit, dass sich die Staatsfinanzen am „Rand des Zusammenbruchs“ befänden. Als Hauptgrund war die Aufrüstung anzusehen. Nach dem Motto, dass „nicht sein kann, was nicht sein darf“, befahl Hitler einfach ein Gesetz zur „Sicherstellung des Wertes der deutschen Währung“. Da nun Österreicher und Deutsche gemeinsam in einem „Großdeutschen Reich“ vereint waren, können wir deutsche Löhne zum Vergleich zu den österreichischen Reichsmark-Preisen heranziehen: 1944 verdiente eine Magd in Ostpreußen monatlich 20 RM bei freier Kost samt Zimmer, ein Ackerkutscher 22 Pfennig pro Stunde. Auch er hatte freie Wohnung mit seiner Familie sowie ein Deputat an Milch, Kartoffeln und Butter. Diese Leute waren mit ihrer Verpflegung gut dran. Denn im Grunde genommen war es fast gleichgültig, wie viel Geld man damals verdiente. Man konnte sich sowieso nur das an Lebensmitteln kaufen, was einem mit der Lebensmittelkarte zugeteilt wurde. Und wie ging es nach dem Krieg mit der Kaufkraft weiter? Darüber berichten wir in der nächsten Folge.
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